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Redispatch

Unter Redispatch sind Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken zu verstehen, um Leitungsabschnitte vor einer Überlastung zu schützen. Droht an einer bestimmten Stelle im Netz ein Engpass, so werden Kraftwerke diesseits des Engpasses angewiesen, ihre Einspeisung zu drosseln, während Anlagen jenseits des Engpasses ihre Einspeiseleistung erhöhen müssen. Auf diese Weise wird ein Lastfluss erzeugt, der dem Engpass entgegenwirkt.

Den ausführlichen Bericht hierzu ist bei der Bundesnetzagentur zur Netz- und System-sicherheit einsehbar.

Landschaftsbildbewertung (von Dipl. Ing. Ulrich Bielefeld)

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Schreiben an: Landesnaturschutzverband BW Olgastr. 19 70182 Stuttgart

17.02.2017

Verfahren Landschaftsbildbewertung (Uni Stuttgart / Roser) Ihr Schreiben von 5.12.2016 Eigene Erfahrungen

Sehr geehrte Damen und Herren, als Landschaftsplaner im Ruhestand bin ich derzeit hauptsächlich ehrenamtlich tätig, um Bürgerinitiativen bei Fragen des Landschaftsbildschutzes zu beraten. Seit meinem Studium des neu geschaffenen Fachs „Landschaftsplanung“ an der TU Berlin in den 70er Jahren bei Prof. Dr. Kiemstedt, der erstmalig Landschafts-bewertungsverfahren entwickelt hat, beschäftigte mich dieses Thema schwer-punktmäßig mein ganzes Berufsleben lang, insbesondere bei Pilotplanungen des Landes Rheinland-Pfalz und des Bundesumweltministeriums / Bundesamtes für Naturschutz. Aus ökonomischen Gründen kamen bei fast allen Planungsanwendungen in den letzten 40 Jahren „nutzerunabhängige“ Indikatorenmodelle, insbesondere auf lokaler Planungsebene in Betracht. In der Planungstheorie wurde allerdings stets auf die höhere Validität von nutzerabhängigen Verfahren, die auf Befragungen möglichst vieler Betrachter (Experten und Laien) beruhen sollten, hingewiesen. Ein solches Ergebnis liegt nun landesweit vor und muss deshalb besondere Beachtung finden. Trotzdem ist dieser Bewertungsansatz nicht ausreichend. Er generiert sich hauptsächlich aus dem Betrachtungswinkel der „Schönheit“, der sich aus einer Mittelung von subjektiven Eindrücken zusammensetzt. Diese wiederum sind mitgeprägt von kulturellen Einflüssen, dem Mainstream und persönlichen Präferenzen. Das Ergebnis ist als „intersubjektiv“ zu bezeichnen.

Um den anderen gesetzlichen Vorgaben zur Erfassung auch der „Eigenart“ und „Vielfalt“ des Landschaftsbildes gerecht zu werden, bedarf es weiterhin ergänzender Betrachtungen. Mit dem ersten Bewertungsverfahren von Kiemstedt, dem Vielfältigkeitswert (V-Wert 1967), ließen sich zwar bestimmte Qualitätsmerkmale messen (z.B. Länge des Waldrandes pro km²), es führte aber bei vielen Landschaftsformen zu Fehl-schlüssen. So sind z.B. großflächige Moorlandschaften sehr eintönig. Ihr Wert liegt in ihrer besonderen Eigenart und Unverwechselbarkeit. Die Eigenart lässt sich immerhin anhand geographischer und kultureller Kriterien objektiv beschreiben.

Gemäß §1 (4) BNatSchG ist auch die Kulturlandschaft (mit Bau- und Bodendenkmälern) als Schutzgut definiert, die besonders zur Ausprägung der Eigenart beiträgt. Klosteranlagen, Schlösser, UNESCO-Welterbestätten usw. können selbst eintönige Landschaften zum Juwel machen. Zum Schutzgut Landschaft gehört darüber hinaus die Erholungseignung der Landschaft (ebenfalls § 1 (4) BNatSchG); diese lässt sich aus der Methode Roser bestenfalls indirekt herauslesen, da auch die Lage eines Gebietes (z.B. siedlungsnah), die Erschließung, die Infrastruktur sowie die Vorbelastung (Lärm, Gerüche etc.) hier eine Rolle spielen. Bzgl. Lärm wäre hier der Grenzwert von 50 dB im Außenbereich tagsüber für eine erhebliche Beeinträchtigung der Erholungseignung zugrunde zu legen.

Landschaften mit besonderer Eignung für naturverträglichen Tourismus - als Schutzzweck in den meisten Naturparken vorgegeben - hat ebenfalls sehr hohe Bedeutung als öffentlicher Belang. Denn nahegelegene attraktive Urlaubsziele können zur Verminderung von Ferntourismus beitragen, der nicht im Verdacht steht, besonders klimafreundlich zu sein.

Die Empfindlichkeit der Landschaft gegenüber Eingriffen wie durch Windturbinen ist ein weiterer notwendiger Analyseschritt, der noch nicht direkt aus den Karten der Uni Stuttgart ablesbar ist. Im norddeutschen Flachland sind viele Bereiche mit Wäldchen und Heckenriegel durchsetzt, die nach wenigen km die Sicht auf hohe Bauten verhindern. WKA-Standorte in BW liegen wegen der Windschwäche dagegen ausnahmslos in exponierten meist bewaldeten Höhenlagen, die wegen der weiträumigen Sichtbarkeit und Horizontwirkung besonders störanfällig sind und viele wertvolle hochgelegene Aussichtslagen, z.B. mit Alpen- oder Schwarzwaldpanoramen verunstalten. Die erschließungsbedingten Eingriffe in den Wald sind ebenfalls viel höher als anderen Ortes. Hinzuweisen ist auf methodische Vorgaben des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald zur Berücksichtigung des Landschaftsbildes bei WKA-Planungen, die die genannten Aspekte weitgehend berücksichtigen.

Die Durchführung und planerische Berücksichtigung solcher Landschaftsanalysen und -funktionen ist aber hauptsächlich durch das wichtigste Planungsinstrument des Naturschutzes, der Landschaftsplanung auf allen Planungsebenen zu gewährleisten. Nach § 9 (4) BNatSchG sind Landschaftspläne aufzustellen oder fortzuschreiben, …“sobald und soweit dies im Hinblick auf Erfordernisse und Maßnahmen im Sinne des Absatzes 3 Satz 1 Nummer 4 erforderlich ist, insbesondere weil wesentliche Veränderungen von Natur und Landschaft im Planungsraum eingetreten, vorgesehen oder zu erwarten sind.“

Dieser Fall tritt regelmäßig bei Planungen der Energiewende, insbesondere beim Ausbau der Windenergie ein, was übereinstimmend als die größte Veränderung der Landschaft in der mitteleuropäischen Geschichte eingestuft wird. Im Windenergieerlass BW fehlt allerdings jeglicher Hinweis auf die zwingende Erforderlichkeit der Landschaftsplanung als Abwägungsgrundlage. Nicht zu verwechseln ist Landschaftsplanung mit den Umweltberichten zu Eingriffsplanungen, die nur Auswirkungen auf den Status quo der Umwelt erfassen. Vielmehr geht es um die Verträglichkeit von Vorhaben mit Entwicklungszielen, die nach Naturschutzrecht anzustreben sind, d.h. u.a.: • Kleinräumige Landschaftsbildbewertung in Ergänzung zur regionalen / landesweiten Bewertung • Integrierte Gesamtkonzeption für alle Umweltbelange = Aufstellung von Entwicklungszielen für Natur und Landschaft als unverzichtbare Abwägungsgrundlage In Rh-Pf. wird dies seit Ende der 80er Jahre konsequent praktiziert.

Als Beispiel kann ich auf einen Planungsprozess verweisen, der von mir über 17 Jahre begleitet wurde und beim Landschaftsarchitekturpreis 2007 eine Würdigung erhielt: http://www.landschaftsarchitektur-heute.de/_resources/documents/default/1-500093-10703-1448112704.pdf http://www.deutscher-landschaftsarchitektur-preis.de/archiv/preis-2007/121-17-jahre-landschaftsplanung-obere-kyll Nach BNatschG sind auf der Ebene der Landesplanung Landschaftsprogramme aufzustellen, die durch Landesentwicklungspläne rechtlich verbindlich gemacht werden sollen. Hierfür stellt das Bewertungsergebnis zum Landschaftsbild der Uni Stuttgart eine wesentliche (aber zu ergänzende, s.o.) Grundlage dar. Landschaftsprogramme gab es in BW bisher nicht. Bemühungen zum Abbau dieses Planungsdefizits sind nicht zu erkennen. In Rh-Pf. z.B. ist die 5. Fortschreibung des LEP einschließlich des Landschaftsprogramms in Arbeit. Vielmehr wurde die Steuerung der Windenergie in BW allein den Kommunen übertragen. Vor 2012 waren Regionalpläne gültig, dessen Aussagen zu Windenergiestand-orten auf vorher erarbeiteten Landschaftsrahmenplänen beruhten, und die deshalb wohl viele politisch unerwünschte Restriktionen aufwiesen. Diese gingen jedoch auf die Beachtung des gültigen Naturschutzrechtes zurück. Die Kommunen wiederum sind gar nicht in der Lage, die gesetzlichen raumord-nerischen Belange der Regional- und Landesplanung zu erfüllen, z.B. die weitreichenden visuellen Wirkungen auf andere Kommunen und Regionen zu erfassen, wie es das UVPG fordert. Aufgabe wäre hier, die für grobere Maßstäbe erstellten landesweiten und regionalen Bewertungen maßstäblich zu konkretisieren, wie es die Raumordnungsgesetze fordern. Dass aber noch nicht einmal kommunale Landschaftspläne aufgestellt oder fortgeschrieben werden, ist ein eklatanter Rechtsbruch, der die rechtmäßige Abwägung in den laufenden Fortschreibungsverfahren von FNP zur Windenergie in Frage stellt (vgl. Anlage 3). Leider können betroffene Anwohner bei diesen Verfahren keine Rechtsmittel einlegen. Dies könnten nur anerkannte Umweltverbände. Mir ist in BW kein einziges aktuelles Planverfahren bekannt, bei dem die gesetzliche Vorschrift zur Landschaftsplanung beachtet wurde. Warum werden hier die Umweltverbände nicht tätig, obwohl es sich doch um das zentrale Instrument des Naturschutzes handelt? Zu fordern wäre:

  • Aufstellung eines Landschaftsrahmenprogramms einschließlich großräumiger Landschaftsschutzkonzeption, Einarbeitung in einen LEP. Insbesondere geht es um die Definition und Abgrenzung von Landschaften mit „herausragender Vielfalt, Eigenart und Schönheit“, die nach Windenergieerlass Vorrang vor der Windenergie haben sollen. Dies kann nicht unteren Ebenen überlassen werden, schon gar nicht Bearbeitern von Einzelgenehmigungsverfahren.
  • Fortschreibung der Landschaftsrahmenpläne für die Regionalplanung
  • Förderung der kommunalen Landschaftsplanung (in Rh-Pf. wurden seit 1988 von Land 80% der Planungskosten übernommen = nach wenigen Jahren war das ganze Land überplant).
  • Förderung von ganzheitlichen kommunalen / regionalen Energienutzungs-plänen, z.B. nach bayerischem Leitfaden, um die Energiewende systematisch voranzubringen. Eine einseitige Bevorzugung einer Maßnahme kann in die Sackgasse führen. Es gibt vielfältige Perspektiven für eine viel schnellere CO2-Minderung als durch die Windenergie. In der gegenwärtigen Planungspraxis wird das Thema „Landschaftsbild“ stiefmütterlich behandelt, bis hin zu Aussagen, dass man „subjektive Eindrücke“ gar nicht zu bewerten braucht. Im Umweltbericht zum TFNP Baden-Baden heißt es z.B: „für die stark gebietsprägenden Wälder konnte aufgrund fehlender Daten keine detaillierte Bewertung vorgenommen werden“. Der gleiche Landschaftsraum wurde jedoch mit höchsten Einstufungen der landschaftsästhetischen Qualität in der Regionalplanung und in den Karten der Uni Stuttgart bewertet. Außerdem liegt der Beurteilungsraum innerhalb von Landschaftsschutzgebieten, die zur Sicherung der Erholungsqualität im Umfeld einer der bedeutendsten Kurstädte ausgewiesen wurden, außerdem im Naturpark, außerdem wenige 100m vom neuen Nationalpark entfernt. Die Schutzverordnungen dieser Gebiete sind mit der Sicherung „herausragender Landschaft“ begründet. Nach Windenergieerlass BW und nach BNatSchG ist der Landschaft dann Vorrang gegenüber Ausbau der Windenergie einzuräumen. Durch einen geplanten Windpark mit bis zu 16 Anlagen wäre der gesamte Landschaftsraum um Baden-Baden großräumig betroffen. Bereits die Karten der Uni Stuttgart erlauben eine hinreichende Konfliktanalyse über die letztlich besonders relevanten großräumigen Belastungswirkungen (vgl. Anlage 1 und 2). Hilfreich wären allerdings zusätzliche Bewertungen der lokalen Eigenarts-ausprägung: ob es sich um naturnahe Waldlandschaften, Kulturlandschaften mit typischen Schwarzwaldhöfen oder technisch vorbelastete Räume handelt. Unverzichtbar sind bei solchen Planungen fotorealistische Visualisierungen, die den „worst case“ entspr. UVPG darstellen. Wenn überhaupt, werden von den Planungsträgern beschönigende Darstellungen im Weitwinkelformat mit geringen Kontrasten (helle Anlagen vor hellem Hintergrund) vorgelegt. Wegen meiner 30 jährigen Erfahrungen mit WKA-Planungen wurde ich von sehr vielen Bürgerinitiativen beauftragt, realistische Visualisierungen zu erarbeiten. Beispiele finden sich in Anlage 2. In den Karten der Uni Stuttgart wird das plausible Ergebnis sichtbar, dass in BW großräumige Landschaften in höchster Qualität vorhanden sind, die überwiegend in Großschutzgebieten (LSG, NP) liegen: z.B.
  • Der gesamte Schwarzwald
  • Der Albtrauf und Teile der Albhochfläche
  • Das Donautal
  • Der Hegau und das Bodenseeufer

Diese Räume wurden auf Fachseminaren der LUBW bereits vor Jahren als vorrangig vor Störungen freizuhaltende Landschaften benannt. Dies lässt sich bereits aus deren unverwechselbaren Eigenarten herleiten. Nach meinen lang-jährigen Erfahrungen kommt es in solchen Fällen nicht auf die Bewertungs-methodik an, weil besonders ausgeprägte Merkmale immer „durchschlagend“ sind. Die genannten Räume sind großräumig empfindlich (siehe Anlage 2). Die Konsequenz heißt für mich: Komplette Freihaltung solcher Landschaften von WKA!

Dass dies die Energiewende nicht blockieren muss, zeigt ein Blick auf Rheinland-Pfalz. Angesichts der weitreichenden visuellen Störwirkungen von WKA werden empfindliche Landschaften großräumig freigehalten: der gesamte Pfälzer Wald (halb so groß wie der Schwarzwald), die Vulkaneifel, das Mittelrhein- und große Teile des Moseltals, abgesichert durch das LEP. Die Begründungen für Eingriffe mit sehr hoher Landschaftsbelastung sind mittlerweile obsolet: Trotz Verdoppelung der bundesweit installierten WKA-Leistung in den letzten 5 Jahren zeigt sich im gleichen Zeitraum keine CO2-Minderung. Wegen des volatilen Stroms muss ein vollständiger Kraftwerkspark parallel in Betrieb bleiben, der fast die gleiche Menge CO2 produziert, als wenn er direkt den Strom einspeisen würde. Stromspeicher für die kurzfristig gewaltigen Stromüberschüsse sind nicht in Sicht. Wollte man den Strom für eine Woche (z.B. „Dunkelflaute“ Januar 2017) in Pumpspeicherseen speichern, müsste das Volumen des Bodensees um 100m angehoben werden. Für diesen Umfang bräuchte man die 30-40 fache Fläche des Bodensees (Berg- und Talbecken + Böschungsflächen). „Power to Gas“ bringt 70% Umwandlungsverluste mit sich. Der Süden von BW ist bereits zu hohen Anteilen mit regenerativem Strom versorgt, vor allem durch Wasserkraft des Rheins. Mittlerweile werden Turbinen abgeschaltet und das Wasser ungenutzt durchfließen lassen, wenn zu viel Windstrom aus den neuen WKA im Schwarzwald, der stets Vorfahrt hat, die Netzstabilität gefährdet. Ein öffentliches Interesse an die Errichtung von WKA und an eine Rechtfertigung der sehr hohen Belastungen für Mensch, Natur und Landschaft in wichtigen Erholungslandschaften vor der eigenen Haustür kann ich hier nicht erkennen. Es gibt außerdem umfangreiche Alternativen, die aber nicht nur die Strom-erzeugung im Fokus haben dürfen. Als Beispiel für eine effektive und kurzfristige Möglichkeit zur CO2-Minderung kann die folgende Vergleichsrechnung dienen: 1 WKA mit 3 MW Nennleistung erreicht in BW nur max.15% im Jahresmittel = 450 KW Umwandlung in „Power to Gas“ verbraucht 2/3 der Energie = Versorgungsdauerleistung ohne Leistungsschwankungen: = 150 KW 150 KW leistet der Motor eines PKW dauerhaft:  in einem Blockheizkraftwerk eingesetzt wird Strom, Wärme und Kühlung erzeugt  60% effizientere Energieerzeugung gegenüber Großkraftwerken = 60% weniger CO2  Wärme lässt sich gut speichern Versorgungsleistung durch Blockheizkraftwerk von 150 KW kostet 10.000 € Versorgungsleistung durch WKA von 150 KW kostet 5 Millionen € = 500 fach und das ohne nachweisbare CO2-Einsparung

Ich würde mir wünschen, dass die Belange des Landschaftsschutzes, wie es in den einschlägigen Umweltgesetzten vorgegeben ist, gleichrangig neben den Belangen des Klimaschutzes vertreten werden. Ein wesentlicher Grundsatz der Umweltvorsorge lautet, dass kein Schutzgut zu Lasten eines anderen Schutzgutes gefördert werden darf. Hier haben die etablierten Umweltverbände aus meiner Sicht erheblichen Nachholbedarf. Auch sollte die europäische Landschafts-konvention stärker in den Fokus gerückt werden, die von fast allen Europaratstaten unterzeichnet wurden, ausgenommen u.a. von Deutschland. Die Energiewende wird derzeit in BW unter Missachtung geltenden höherrangigen Raumplanungs-, Natur- und Umweltrechtes betrieben. Hierzu liegt ein Rechtsgutachten vor (siehe Anlage 3). Einzelne Bürger können nur bei unmittelbarer Betroffenheit (Lärm, optische Bedrängung) rechtliche Einwendungen geltend machen - das St.-Floriansprinzip ist hier vorgeschrieben. Nur die Umweltverbände sind befugt, auf den höheren Planungsebenen, die wirkungsvolle Steuerungsmöglichkeiten besitzen, Rechtsmittel zur Beachtung dieser Gesetze einzusetzen. Ich hoffe sehr, dass sich auch der LNV künftig stärker beim Schutz unserer einzigartigen Kultur- und Erholungslandschaft engagiert, bevor diese an vielen Stellen auf nicht absehbare Zeit verunstaltet wird.

Anlage 1

Bildbeschreibung

Landesweite Landschaftsbildbewertung der Uni Stuttgart - Geplante Windparks in Baden-Baden

Dto.- Ersichtlich wird die auch im landesweiten Vergleich die hohe Betroffenheit herausragender Landschaftsbildqualitäten. Die Wirkungen reichen wegen der exponierten Höhenstandorte i.d.R. weit über 10 km hinaus. In wieweit dies zu Störungen wertvoller Sichtbeziehungen führt, kann nur durch Sichtbarkeitsanalysen mittels GIS und fotorealistische Visualisierungen ermittelt werden (vgl. nachfolgende Beispiele).

Anlage 2 Eigene Visualisierungen prekärer Projekte

Bildbeschreibung

Blick von Dingelsdorf / Bodensee zur Birnau (4 km, 50m hoch) und zum Windpark Gehrenberg (16 km, 200m hohe Anlagen). Nach dem „Strahlensatz“ müssen Kirchturm und WKA etwa gleich groß im Bild erscheinen. Der Standort wurde 2013 mit 12 möglichen WKA von der Regionalplanung vorgeschlagen und von allen umliegenden Kommunen, auch von schweizer und östereichischer Seite abgelehnt.

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Geplanter Windpark Hohfleck ca. 3 km hinter Schloss Lichtenstein bei Reutlingen. Nach 2-jährigem Bürgerprotest mit 18.000 Einwendungen wurde die Genehmigung durch das Landratsamt versagt.

Bildbeschreibung

Weitreichende Auswirkungen eines Windparks bei Inneringen / Albhochfläche bis zum berühmtesten Aussichtpunkt im Naturpark Donautal (Abstand 25 km). In diesem Fall wurden 300m hohe Anlagen (so hoch wie der Eiffelturm) dargestellt. Diese Anlagengröße ist in wenigen Jahren zu erwarten. Werden Standorte im Flächennutzungsplan ausgewiesen, geschieht dies i.d.R. ohne Höhenbegrenzung. Schon jetzt müssten nach UVPG die möglichen Entwicklungen im Gültigkeitszeitraum eines Plans berücksichtigt und in Visualisierungen dargestellt werden.

Blick vom Feldberg zum Mont Blanc. Der Windpark befindet sich derzeit im Aufbau. Das Landratsamt hielt eine Umweltverträglichkeitsstudie mit Bürgerbeteiligung für entbehrlich, weil keine erheblichen Auswirkungen auf die Landschaft gesehen wurden. Das heißt, diese Landschaft fällt nach Behördenmeinung nicht unter das Prädikat „herausragende Vielfalt, Eigenart und Schönheit“. Hier wird das Fehlen einer landesweiten Landschaftsschutzkonzeption i.V. mit einem LEP besonders deutlich.

Dto. Blick vom Belchen

Bildbeschreibung

Blick über St. Peter bei Freiburg zum Brombeerkopf (links 4 vorhandene WKA auf dem Rosskopf). Auch ohne neue Bewertungsmethoden lässt sich der Raum nach Kategorien höchster kultur-landschaftlicher Eigenart ohne Vorbelastung einstufen und Entscheidungen zu Gunsten des Landschaftsschutzes rechtfertigen. Es stellt sich nicht die Frage, ob Windräder auch als schön empfunden werden können, sondern ob eine besondere kulturlandschaftliche Eigenart überprägt und in eine Industrielandschaft verwandelt werden darf.

Bildbeschreibung

Blick vom Witthoh bei Tuttlingen über Emmingen in Richtung Alpen. 3 Windparks mit jeweils 3-4 km Abstand untereinander liegen in der Blickachse zur Zugspitze, sie wirken optisch als ein zusammenhängender Standort. Trotzdem ist es möglich, die Standorte in getrennten Verfahren ohne UVP zu einzubringen.

Aufgrund von Argumenten, die von 4 Bürgerinitiativen vorgebracht wurden, verzichtet die Stadt Stockach vorläufig auf die Ausweisung solcher Konzentrationszonen im FNP. Bei Vorliegen von gewichtigen öffentlichen Belangen, die gegen die Windenergie sprechen, muss die Stadt auch bei Einzelgenehmigungsanträgen nicht ihr Einvernehmen geben und das LRA darf keine Genehmigung erteilen.

Geplanter Windpark auf der Länge bei Donaueschingen, Abstand zum Stadtrand 11-13 km Blick vom Lemberg bei Gosheim am 31.12.2016. Das Alpenpanorama reicht von der Zugspitze bis zum Eiger.

Bildbeschreibung

Die geplanten Windparks bei Spaichingen / Weilheim (links) und auf der Länge (Abstand 25 km) zerstören auch in großem Abstand noch den herausragenden Landschaftseindruck. Insbesondere bei Horizontstellungen tritt der wahrnehmungspsychologische Effekt der Mondtäuschung auf (vgl. Wikipedia), der Objekte bis zu 4 mal größer erscheinen lässt, obwohl jedes Vergleichsfoto das Gegenteil beweist.

Mittels Google-Earth lassen sich heute Positionen und Proportionen von WKA in Vergleichsfotos leicht ermitteln und beweisen. Sie können von Jedermann überprüft werden. (Hier geplante WKA in 800m Abstand zum Wallfahrtsort auf dem Dreifaltigkeitsberg / linker Hügel bei Sapichingen).

Anlage 3 Zusammenfassung des Rechtsgutachtens zum Schutzgut „Landschaftsbild“ im Windenergieerlass Baden-Württemberg vom 09. Mai 2012 der Kanzlei Caemmerer Lenz, Karlsruhe Autor: Dr. Rico Faller, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht 18.12.2015

  1. Die Änderung des Landesplanungsgesetzes BW aus dem Jahr 2012 zu Gunsten der Windenergie ist nicht vollziehbar. Sie darf nicht als verbindlicher Rahmen für umweltrelevante Projektzulassungen dienen, da sie insbesondere die EU-Richtline zur Strategischen Umweltprüfung (SUP-Richtlinie) missachtet. Die massiven und irreversible Auswirkungen, die mit der Gesetzesänderung einhergehen, werden nicht in der gebotenen Art und Weise geprüft, obwohl ausreichende Beurteilungsdaten für diese Entscheidungsebene vorlagen. Stattdessen wird auf die Umweltprüfung auf unterster Planungsebene oder im Rahmen des Genehmigungsverfahrens verwiesen, wo aber eine hinreichende Berücksichtigung insbesondere regionalplanerischer Belange kaum möglich ist. Der Anwendungsvorrang des Unionsrechts gegenüber nationalen Bestimmungen verpflichtet Behörden und Gerichte, keine umweltrelevanten Vorhaben auf der Grundlage dieser Gesetzesänderung zuzulassen. Windenergieanlagen dürfen danach nur in den von den Regionalplänen vorgesehenen Vorranggebieten geplant und zugelassen werden, nicht jedoch in den Ausschlussgebieten. Betroffen sind davon zahlreiche Planungen auf kommunaler Ebene sowie zahlreiche Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG).

  2. Letztlich führt die Gesetzesänderung zu einer Aufhebung der Steuerung der Landes- und Regionalplanung. Zwar wurde sie den Kommunen oder – im Falle des zulässigen Verzichts auf eine entsprechende Bauleitplanung – den für die Genehmigung zuständigen unteren Immissionsschutzbehörden übertragen. Dabei ist allerdings der in komplexen wohl überlegten Abwägungsprozessen zustande gekommene Ansatz der Regionalplanung verloren gegangen. Eine entsprechende Kompensation dieses Defizits findet nicht statt: Die kommunale Bauleitplanung kann keinen großräumigen und ganzheitliche Ansatz leisten und die Zulassungsschranken, die § 35 Abs. 3 BauGB im Rahmen des immissions-schutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens aufrichtet, reichen nicht aus.

  3. Wenn die gesamträumlichen Anforderungen bei der Umweltprüfung im Zusammenhang mit der Gesetzesänderung nicht berücksichtigt werden, stellt sich auch die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Raumordnungsgesetz (ROG). Insbesondere der durch die Gesetzesänderung bewirkte Rückzug bei der Steuerung der Windkraftnutzung führt dazu, dass ein Einfügen in die Gegebenheiten und Erfordernisse des Gesamtraums nach § 1 Abs. 3 ROG kaum möglich ist. Auch hier zeigt sich das Steuerungsdefizit.

  4. In Planungsrechtlicher Hinsicht ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass die für die Aufstellung von Flächennutzungsplänen auch die Vorschriften für die Umweltprüfung nach den § 2 Abs. 4 BauGB maßgeblich sind, wonach auch die Auswirkungen auf die Landschaft zu prüfen sind. Insbesondere sind die weitreichenden überörtlichen Wirkungen zu prüfen. Dabei sind auch die Größenentwicklungen von Windkraftanlagen im Gültigkeitszeitraum von Flächennutzungsplänen (i.d.R. 15 Jahre) im Rahmen einer Worst-Case-Betrachtung zu berücksichtigen.

  5. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist die Fortschreibung der Landschaftsplanung als integrierte Umweltfachplanung und Abwägungsgrundlage auf allen Planungsebenen vorgegeben, wenn wesentliche Veränderungen in der Landschaft vorgesehen sind. Auf der Ebene der Landesplanung ist dies eine fakultative, auf den nachgeordneten Ebenen eine zwingende Vorschrift. Bei der durch die Gesetzesänderung aufgehobenen Regionalplanung wurde diese Vorgabe i.d.R. beachtet, was den Ausschluss vieler Räume für die Windenergie rechtlich nach sich zog. Nun findet die Windenergieplanung in Baden-Württemberg offensichtlich komplett ohne vorausgehende Fortschreibung der Landschaftsplanung statt. Damit wird gleichzeitig das Defizit der Strategischen Umweltprüfung bei der Änderung des Landesplanungsgesetzes weiter unterstrichen.

  6. Eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch moderne Windkraftanlagen ist – nach einhelliger Rechtsprechung – prinzipiell nicht vermeidbar oder ausgleichbar. Nach der Eingriffsregelung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist dann aber ein Vorhaben unzulässig, wenn die Belange von Natur und Landschaft im Range vorgehen. Der Windenergierlass vermittelt den Eindruck, dass das Schutzgut „Landschaftsbild“ im Rahmen der Abwägung nur dann relevant ist, wenn schwerwiegenden Beeinträchtigung eines Landschafts-bildes von herausragender Vielfalt, Eigenart und Schönheit gegeben sind. Dass aber ein derart qualifizierter Eingriff erforderlich ist, um das durch das Gesetz vorgegebene Abwägungsprogramm zu „starten“, trifft nicht zu. Auf den Begriff der „Verunstaltung“ kommt es in diesem Zusammenhang gar nicht an. Vielmehr ist eine Verabsolutierung der Privilegierung von Windenergieanlagen eine Absage zu erteilen und stattdessen eine Bilanzierung und Abwägung der öffentlichen Belange vorzunehmen. Dies führt gerade im eher windschwachen Baden-Württemberg häufig zum Überwiegen des Schutzguts „Landschaftsbild“.

Langfassung des Gutachtens / PDF-Version zu beziehen bei: Landesverband baden-württembergischer Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften e.V., Matthias Kraus (Vorsitzender), Weinheim. Fachauskunft: Ulrich Bielefeld, Landschaftsarchitekt bdla, Überlingen.

Hydrogeologie

Wiesbadener Kurier 20.2.17

WIESBADEN - Das Regierungspräsidium Darmstadt (RPD) hat den Antrag der Taunuswind GmbH zur Errichtung eines Windparks auf der Hohen Wurzel abgelehnt, nachdem alle maßgebenden hessischen Fachbehörden und zuletzt die Fachabteilung des RPD die Nicht-Genehmigungsfähigkeit festgestellt hatten: Alle zehn Standorte können aus gleich mehreren Gründen nicht zugelassen werden.

Taunuswind und deren Unterstützer in der Stadt hätten sich die sinnlos in den Sand gesetzten (im Waldboden vergrabenen) zwei Millionen Euro Planungskosten ersparen können. Jetzt ist man trotzdem mit Deckung des Eswe-Aufsichtsrats noch vors Verwaltungsgericht gezogen. Soll das Gericht etwa „alternative Fakten“ entdecken, um dieses unsinnige Projekt doch noch zu verwirklichen?

Professor Heinz Hötzl (Karlsruhe) hat in seinem Gutachten (Oktober 2014 im Auftrag der Stadtwerke der Stadt Taunusstein) zur Hydrogeologie des Taunuskamms auf das hohe Gefährdungspotenzial eines Windparks für das Grundwasser hingewiesen; leider sei es bisher versäumt worden, die Wasserschutzgebietsverordnung für dieses Gebiet von 1979 zu novellieren. Nach heutiger Kenntnis würde die 50-Tage-Grenze der Schutzzone II das ganze Planungsgebiet einschließen und damit nach den DVGW-Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete eine Genehmigung von vornherein ausschließen.

Waldgebiet steht vierfach unter Schutz Als Wiesbadener Bub kenne ich die Taunuswälder zu Fuß und per Fahrrad; als Wasserfachmann kenne ich die Hydrologie der Taunusstollen und ihre Bedeutung für die Wasserversorgung Wiesbadens. Wie kann man denn in einem solchen vierfach unter Schutz stehenden Waldgebiet vernünftigerweise einen Windpark planen? So habe ich im Dezember 2015 Einblick in die öffentlich ausgelegten Antragsunterlagen genommen. Die Gutachter der Taunuswind GmbH zitieren darin das Gutachten von Prof. Hötzl. Die besonderen Risiken der Hydrogeologie werden sogar weitgehend richtig dargestellt. Die Zusammenfassungen verharmlosen aber dann: „Unter Berücksichtigung der vorgesehenen Vermeidungs- und Schutzmaßnahmen sind erhebliche Beeinträchtigungen von Oberflächen- und Grundwasser nicht zu erwarten.“ Und: „Das Vorhaben stünde somit im Einklang mit der Wasserschutzgebietsverordnung.“

Aufgrund des Widerspruchs von Inhalt und Zusammenfassung der Gutachten habe ich einen formellen Einspruch eingelegt und diesen in der Anhörung im März in Kostheim vertreten. Das Hessische Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) kommentiert (22. Dezember 2015): „Diese (oben zitierte) Aussage kann nicht geteilt werden.“ Und begründet dies eingehend.

Spätestens nach der Anhörung in Kostheim wäre eine eingehende Befassung mit den vorliegenden Gutachten und eine kritische Rücksprache mit den Fachleuten (Wasserversorgung Wiesbaden (WLW), Hessenwasser, HLNUG und Landesamt für Denkmalpflege Hessen) angezeigt gewesen. Im Herbst hat das HLNUG der Taunuswind empfohlen, den Antrag zurückzuziehen. Die von Taunuswind angerufene sogenannte „Clearingstelle“ beim Umweltministerium, die noch Ende 2016 „strittige Fachfragen“ klären sollte, hat an der Rechtslage vorbei argumentiert und sich als wenig fachkundig erwiesen, sodass die Fachbehörden und die Fachreferate beim RP zu Recht ihre Positionen gewahrt haben.

Die Regeln des Bundes-Immissionsschutzgesetz-Verfahrens (BImSchG) sind vom Regierungspräsidium peinlich beachtet worden. Dem Antragsteller wurden alle Möglichkeiten eingeräumt, zu den Entscheidungsvorlagen Stellung zu nehmen und weitere Gutachten nachzureichen, was – einschließlich des Umwegs über die „Clearingstelle“ – auch zu den mehrfachen Terminverlängerungen geführt hat. Taunuswind und Stadt brauchen offenbar noch eine gerichtliche Bestätigung, um dies endlich zu kapieren!

Dazu der Hessische Wirtschaftsminister Al Wazir: „An den abgelehnten zehn Windrädern wird die Energiewende in Hessen nicht scheitern.“ Laut Klaus-Peter Willsch, CDU Rheingau-Taunus, hat der Rheingau-Taunus-Kreis sein Windrad-Soll längst übererfüllt. Eswe kauft den als Ökostrom an ihre Kunden weitergegebenen Strom schon lange an der Strombörse ein. Die im Antrag behaupteten 4,5 Prozent Deckung des Strombedarfs in Wiesbaden durch die Windräder auf der Hohen Wurzel sind wahrscheinlich genauso geschönt, wie im Antrag das Gefährdungspotenzial des Windparks verharmlost wurde.

Rotmilan

Bildbeschreibung

Rotmilan (Milvus milvus) Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans ist klein und beschränkt sich fast ausschließlich auf Teile Europas. Für den Rotmilan trägt Deutschland mehr Verantwortung als für jede andere Vogelart, da hier mehr als 50 % des Weltbestandes der Art leben. Jedoch brüten in Deutschland weniger als 20 % der Rotmilane innerhalb von Europäischen Vogelschutzgebieten. Der Rotmilan brütet in abwechslungsreichem Wald-Offenland-Mosaik und bevorzugt häufig Bereiche, die durch lange Grenzen zwischen Wald und Offenland und einen hohen Grünlandanteil gekennzeichnet sind. Die Nahrungssuche findet im Offenland statt. Beim Rotmilan erfolgt sie mehr als bei anderen Greifvögeln fliegend, wobei er gegenüber WEA kein Meideverhalten zeigt. Da Balzflüge im Frühjahr, Thermikkreisen und z. T. Nahrungsflüge in Höhen stattfinden, in denen sich die Rotoren der WEA befinden, besteht für die Art ein sehr hohes Kollisionsrisiko. So gehört der Rotmilan absolut und auf den Brutbestand bezogen zu den häufigsten Kollisionsopfern an WEA. Allein in Deutschland wurden bereits 265 kollisionsbedingte Verluste registriert; auf Vögel jenseits der Nestlingsperiode bezogen, ist die Windenergienutzungzumindest in Brandenburg in kurzer Zeit auf Platz 1 unter den nachgewiesenen Verlustursachen bei dieser Art gerückt.

Für das Bundesland Brandenburg lassen sich anhand eines auf systematischen Kollisions-opfersuchen basierenden Modells bei einem Stand von 3.044 WEA 308 Kollisionen pro Jahr schätzen. Allein die Verluste durch WEA liegen hier im Grenzbereich einer Populationsgefährdung auf Landesebene. Den größten Teil der Verluste machen Altvögel während der Brutzeit aus, so dass bei Verlusten während der Brutzeit regelmäßig auch mit Brutverlusten zu rechnen ist. Da junge Brutvögel einen geringeren Bruterfolg haben als ältere, gehen Neuverpaarungen nach dem Verlust von erfahrenen Altvögeln mit reduziertem Bruterfolg einher. Der Verlust eines Partners kann also über mehrere Jahre den Bruterfolg eines Reviers absenken.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse aus Thüringen mittels Satellitentelemetrie über das räumliche und zeitliche Verhalten von Rotmilanen (Pfeiffer & Meyburg 2015) an über 30 adulten Vögeln mit knapp 10.000 GPS-Ortungen ergaben, dass nur 40 % der Flugaktivitäten in einem Radius von 1.000 m um den Brutplatz erfolgen. Angesichts der in Abschnitt 4 formulierten Annahme ist daher eine Erweiterung des Mindestabstandes gegenüber den Empfehlungen (LAG VSW 2007) erforderlich. In Anbetracht der hohen Verantwortung, die Deutschland für diese Art hat, wird ein Mindestabstand von 1.500 m empfohlen, der rund 60 % aller Flugaktivitäten umfasst. Beim Prüfbereich ergibt sich eine Verkleinerung des Radius auf 4.000 m, der einen Großteil (im Schnitt über 90 %) der Flugaktivitäten abdeckt.

Bildbeschreibung Rotmilan mit Flügelkennzeichnung

Bildbeschreibung Rotmilannest mit Verzierung

Vorgaben der LUBW zur Vermeidungvon Beeinträchtiugn von Vogelarten bei der Genehmigungen von Windkraftanlagen (= Mahdvorschrift) Die bindenden Hinweise zur Bewertung und Vermeidung von Beeinträchtigungen von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung für Windenergieanlagen der LUBW beinhalten im Wesentlichen drei Vorgaben zum Schutz des Rotmilans, die das Projekt in Wertheim zu Fall gebracht haben: Anlagen, die in Nahrungshabitaten von Rotmilanen liegen (was im baden-württemberger Offenland für so gut wie alle Anlagen gilt), müssen für vier Tage abgeschaltet werden, wenn im Umkreis von 300 Metern der Boden bearbeitet wird, also ein Landwirt zum Beispiel mäht, mulcht oder pflügt. Überdies gelten strenge Vorgaben für die Bewirtschaftung der Ackerflächen am Fuß der Windenergieanlage. Außerdem ist das Anlegen großer Ablenkflächen für Rotmilane erforderlich.

Wie funktioniert eine Fütterungsplattform? Bildbeschreibung

Besenderung des Rotmilan (Telemetrieergebnisse) Da dem Männchen den Hauptteil der Nahrungssuche obliegt, werden die männlichen Tiere besendert. (Sender und Antenne auf dem Rücken) GPS Sender sendet im 5 Minuten Takt Überwinterungszug nach Spanien: 21 Tage (Sept.) 50 % der Horste werden wiederbesetzt (Febr.) Der Rotmilan fliegt "ominidirektional" (nicht auf direktem Weg zum Futterplatz)

Variabler Aktionsraum:

  1. Revierbesetzungen und Balz: 13 qkm
  2. Brüten: 9 qkm
  3. Jungenaufzucht : 117 qkm
  4. Bettelflugphase: 25 qkm
  5. wenn Jungvögel weg sind: 3,5 qkm

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Dichtezentrum Rotmilan - Ein Fließschema Die Fallgruppen zum Rotmilan bei der Bauleitplanung für Windenergieanlagen werden in Kapitel IV. 1. der Hinweise des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu arten-schutzrechtlichen Ausnahmen vom Tötungsverbot bei windenergieempfindlichen Vogelarten bei der Bauleitplanung und Genehmigung von Windenergieanlagen vom 1. Juli 2015 (nachfolgend „Ausnahmehinweise“ genannt ) im Einzelnen beschrieben. Die Ausnahmehinweise sind auf der Homepage des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/energiewende/windkraft/ veröffentlicht.

Die fachlichen Vorgaben zur Erfassung des Rotmilans sind den Hinweisen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) für den Untersuchungsumfang zur Erfassung von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung für Windenergieanlagen vom 1. März 2013 (nachfolgend „Erfassungshinweise Vögel“ genannt) zu entnehmen, abrufbar auf der Homepage der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/216927/.

Nähere Informationen zu den Dichtezentren des Rotmilans können den Hinweisen der LUBW zur Bewertung und Vermeidung von Beeinträchtigungen von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung von Windenergieanlagen vom 1. Juli 2015 (nachfolgend „Bewertungshinweise Vögel“ genannt ), abrufbar auf der Homepage der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/216927/ , entnommen werden.

Eine übersichtliche Darstellung ob es sich um ein Dichtezentrum handelt bietet das Fließschema:

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Windmessung in Süddeutschland

Es ist bekannt, dass Binnenlandstandorte ein niedrigeres Windpotential als Standorte im Küstenbereich aufweisen. Politisch geplant ist eine Ausweitung des Windkraftzubaus auch in den windschwachen süddeutschen Bundesländern.

Wegen des niedrigeren Windpotenziales hat die möglichst realistische Ermittlung der Windverhältnisse als Voraussetzung für eine zuverlässige Energieertragsberechnung für Investoren unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine entscheidende Bedeutung. Dabei wirken sich jedoch die vor allem an komplexeren Standorten auftretenden Inhomogenitäten erschwerend auf die Ermittlung des Windpotenzials und die Ertragsprognose aus.

Nachfolgend wird auf die Besonderheiten der binnenländischen Windklimatologie eingegangen und ein Überblick über die Verfahren zur Wind- und Ertragsprognose gegeben und mögliche Fehlerquellen aufgezeigt. Ferner werden Fehlprogosen aus der Vergangenheit näher betrachtet.

Windhöffigkeit Die für die Windenergie wichtige bodennahe atmosphärische Strömung weist einen Geschwindigkeitsgradienten auf, der die Windgeschwindigkeit mit zunehmender Höhe bis zum Erreichen des Geostrophischen Windes (ca. 1000 Meter Höhe ) ansteigen lässt. In Wirklichkeit handelt es sich allerdings um eine Abnahme der Geschwindigkeit von oben nach unten aufgrund der Haftbedingung am Boden. Bestimmend für die Stärke der Abnahme sind die Hindernisse wie Bebauung und Bewuchs, die die Strömung abbremsen. Diese Rauhigkeiten sind maßgebend für den Geschwindigkeitsgradienten.

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Tabelle: Rauhigkeitsklassen der Bodenbeschaffenheit

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Die bodennahe atmosphärische Strömung kann in zwei dominierende Bereiche unterteilt werden: die Prandtl- und die Ekmanschicht. Diese Schichten besitzen unterschiedliche Gradienten und werden durch verschiedene Faktoren bestimmt. Die Prandtlschicht erstreckt sich je nach Tagesgang und aktueller Schichtung der Atmosphäre vom Boden bis zu einer Höhe von ca. 100 m. In dieser Schicht stellt sich ein logarithmisches Geschwindigkeitsprofil ein, dessen Haupteinflussparameter die Rauhigkeit ist. Danach beginnt die Ekmanschicht, die bis zu einer Höhe von ca. 2km reicht. Der Geschwindigkeitsgradient ist kleiner und hauptsächlich durch die Abbremsung aufgrund der Corioliskraft bestimmt. In dieser Schicht beginnt die Drehung der Windrichtung eine wesentliche Rolle zu spielen.

Die Windverhältnisse im Binnenland und Methoden der Prognose Großräumig betrachtet ist mit zunehmender Entfernung von den Küstengebieten im Binnenland aufgrund deswachsenden Einflusses der Bodenrauhigkeit eine Abnahme der Windgeschwindigkeiten zu beobachten. Anders als in den Küstenregionen werden die mesoskaligen Strömungsverhältnisse im Binnenland im bodennahen Windfeld wegen der häufig auf engem Raum wechselnden lokalen Raumausstattung sowie der unterschiedlichen Reliefstrukturen jedoch wesentlich stärker überlagert. Im Vergleich zu den Küstengebieten ergeben sich daher bei Windprognosen an innenlandstandorten höhere Anforderungen. Voraussetzung für eine optimale Erschließung der auf kommunaler oder regionalplanerischer Ebene ausgewiesenen Windvorranggebiete ist zunächst die möglichst genaue Erfassung der Windverhältnisse an den potenziellen WEA-Standorten. Auf dieser Grundlage kann dann eine realistische Abschätzung der potenziell zu erwartenden Jahresenergieerträge unter Einbeziehung der WEA-spezifischen Leistungskennlinie vorgenommen werden und eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Vorhabens erfolgen.

Windpotenzialkarten Ein relativ grobes Verfahren zur Windprognose ist die flächenhafte Darstellung der Windverhältnisse in Windpotenzialkarten (sog. Windatlas). Der Windatlas Baden-Württemberg, erstellt vom TÜV SÜD, herausgeben im Jahre 2011 basiert auf dem WASP Verfahren.

Es handelt sich um „errechnete“, d.h. am Computer modellierte Windwerte die je nach Geländeform stark abweichen können und die später durch Windmessung (vorzugsweise mittels Messmast) abgesichert werden müssen.

Der Windatlas Baden-Württemberg basiert auf dem WAsP System (Windatlas Analysis and Application Program) das in Dänemark in den 80er Jahren entwickelt wurde. Es ist für komplexes (hügeliges) Gelände wie wir es in Süddeutschland haben nicht geeignet. Besser ist hier das CFD Verfahren (Computational Fluid Dynamics). Es hat seinen Ursprung in der Strömungssimulation für Flugzeuge, Autos usw. Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat aus den vorgenannten Gründen im Juli 2013 einen Windatlas auf CFD Basis veröffentlicht, der komplexes Gelände besser abbildet. Es bleibt festzuhalten: WAsP hat große Defizite in komplexem Gelände aufgrund vereinfachter Strömungsberechnung. (Im Grenzgebiet zur Schweiz hat sich gezeigt, dass z.B. die Bergkuppe „Randen“ die im Baden-Württ. Windatlas mit 6,5 m/sec angegeben ist im Schweizer Windatlas nur 5,5 m/sec aufweist. Dieser Meter Differenz ist aber entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer WKA. Tendenziell ist also der Bad.-Württ. Windatlas zu hoch angesetzt.) Im September 2013 wurden die Windmessergebnisse (Windmessmast) im Raum Messkirch vorgelegt mit einer Abweichung von mehr als 35 % vom Windatlas , d.h. heißt der Wind weht dort nur mit 4,7 m/sec nicht wie im Windatlas angegeben mit 5,5 bis 6 m/sec. Diese Fälle häufen sich nachdem nach und nach die Windmessergebnisse bekannt werden: Im Südschwarzwald am Belchen wurden nicht 6,5 m/sec wie im Windatlas angegeben gemessen sondern nur 4,9 m/sec in Nabenhöhe.

Der Regionalverband Südlicher Oberrhein hat bereits im Sommer 2010 auf Mängel des in Erarbeitung befindlichen Windatlasses hingewiesen und eine Stellungnahme des Gutachterbeirates des Bundesverbandes Windenergie e.V. (BWE) angemahnt. Da dieser Forderung nicht Rechnung getragen wurde und sich der TÜV Süd als Ersteller des Windatlasses auf wiederholt gestellten Fragen und Hinweisen nicht geäußert hat, sah sich der Regionalverband Südlicher Oberrhein gezwungen auf eigene Kosten das Gutachterbüro EuroWind Köln zu beauftragen und einen Methodenvergleich zwischen den beiden Windpotentialstudien vorzunehmen. EuroWind kommt dabei zu dem Ergebnis, dass das Gutachten des TÜV Süd methodische Mängel erkennen und viele Fragen offen lässt. Somit sind die Ergebnisdaten des TUV Süd im Windatlas in der vorliegenden Form keine belastbare Grundlage für die Ausweisung von Vorranggebieten. Interessant auch, dass die Region Südl. Oberrhein nicht ab 5,3 m/sec plant sondern nur in Gebieten mit einer Windhöffigkeit von mind. 6 m/sec.Dieses Verfahren wurde von der Aufsichtsbehörde nicht beanstandet.

Siehe nachfolg. Auszug aus Präsentation der Region Südl. Oberrhein:

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Da die kleinräumigen Potenzialänderungen innerhalb eines Landschaftsraumes wie dem Binnenland nur unzureichend darstellbar sind, eignen sich Windkarten lediglich für eine erste Orientierung über das zu erwartende Windpotenzial. Häufig werden in Windkarten Parameter wie die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit, die Weibullparameter, die Vollastbenutzungsstundenzahl oder der Jahresertrag in Quadratmeter Rotorkreisfläche in Form von Isolinien dargestellt.

Verfahren zur Bestimmung des lokalen Windpotenzials Häufig wird als Kriterium zur Beurteilung von WEA-Standorten die durchschnittliche Jahres-windgeschwindigkeit herangezogen. Da diese jedoch mit der 3. Potenz in die Leistung eingeht, bietet allein der Jahresmittelwert keine ausreichende Grundlage zur Abschätzung der zu erwartenden Erträge an dem Standort. Darüber hinaus werden Angaben über die Häufigkeits-verteilung des Windgeschwindigkeitsspektrums benötigt. Die Ermittlung der Häufigkeitsverteilung kann beispielsweise durch eine kontinuierliche Aufzeichnung der Daten im Rahmen einer mehrmonatigen, lückenlosen Windmessung (empfohlen werden i.d.R. 12 Monate) erfolgen. Aus der Messung lassen sich die prozentualen Anteile der einzelnen Windgeschwindigkeitsklassen für den Messzeitraum ableiten. Aus Gründen der Vergleichbarkeit und zur Berechnung der standort-spezifischen Energieerträge unter Einbeziehung der WEA-Leistungskennlinie werden Häufigkeitsverteilungen oft mit Hilfe der Weibullfunktion approximiert (Grafik).

Nachfolgende Grafik zeigt zwei mathematisch nachgebildete Häufigkeitsverteilungen mit dem gleichen arithmetischen Mittelwert von 6,0 m/s, aber sehr unterschiedlichen Verteilungen der einzelnen Windgeschwindigkeiten.

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Grüne Säule: Küstenstandort (W1) Rote Säule: Binnenstandort (W2)

Der Jahresenergieertrag aus dem Mittelwert ergibt : W1 = 695.233,70 kWh Wird für jede der 25 Windklassen der Energieertrag berechnet und dann die 25 Teilenergieerträge zum Gesamtenergieertrag zusammengefasst, ergibt sich für W2-Weib1 = 975.729,72 kWh , das sind +28% gegenüber W1 und für W2-Weib2 = 2.156.475,18 kWh das sind +210% gegenüber W1! Hier zeigt sich ebenfalls die Überlegenheit der aufsummierten Einzelertragsberechnung, gegenüber der Ertragsberechnung aus dem arithmetischen Mittelwert, in Bezug auf die beste Annäherung an den tatsächlich von Windkonverter erzielten Energieertrag im Berechnungszeitraum.

Daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit die Weibullverteilung der durchschnittlichen Windwerte zu ermitteln!

Windmessungen vor Ort Windmessungen sind die Grundlage für Windgutachten und die Ertragsberechnung. Windertragsprognosen sind sehr fehleranfällig (Abschätzung der Leistungsausbeute der WKA) Merke: 10 % Fehler in der Windgeschwindigkeit bedeutet 33 % Fehler im Ertrag.

Die Bestimmung der Windverhältnisse an einem potenziellen WEA-Standort durch standortnahe Windmessungen bietet – fehlerfrei durchgeführt – gegenüber den rein rechnerischen EDV-gestützten Analyseverfahren vor allem an komplexer strukturierten Standorten, wie sie im Binnenland häufig auftreten, eine wesentlich höhere Genauigkeit. Allerdings ist dieses Verfahren wegen des höheren Messaufwandes und des i.d.R. mehrmonatigen Messzeitraumes zeit- und kostenintensiver. Im Idealfall werden Windmessungen in Nabenhöhe der zu errichtenden Anlagen durchgeführt. (Mindestens jedoch 2/3 der Nabenhöhe) Um das vertikale Windprofil an dem Standort zu ermitteln und auf die spätere Nabenhöhe zu extrapolieren, ist es sinnvoll, in mehreren Höhen zu messen. Zusätzlich werden Informationen über die Windrichtungsverteilung und die Temperatur aufgezeichnet. Falls keine größeren Messausfälle auftreten, ist nach Beendigung der Messung auf der Grundlage der erfassten Daten eine relativ genaue Beschreibung der standortspezifischen Windverhältnisse möglich.

Langzeitbezug der Messdaten Da die Windverhältnisse und die Energieerträge je nach Windjahr erhebliche Schwankungsbreiten aufweisen können, gibt eine Messung lediglich die Windverhältnisse während des Messzeitraumes wieder, lässt aber noch keine Rückschlüsse auf die Verhältnisse im langjährigen Mittel zu. Daher ist es erforderlich, die prognostizierten Windwerte und Energieerträge auf die im Langjahresmittel zu erwartenden Werte zu korrigieren [3].

Hier ist bedeutsam, dass der Referenz-Messpunkt (z.B. Winddaten der letzten 30 Jahre) möglichst nahe am Planungsstandort liegt. (Es erklärt sich von selbst, dass für eine Langzeiteibettung von Messdaten im Schwarzwald nicht die Wetterstationsdaten der Zugspitze oder von Helgoland herangezogen werden dürfen!). Eine Schwierigkeit der Langzeiteinbettung liegt ferner darin, dass kein sogen. „Referenzjahr“ oder „100% Jahr“ gibt, und wenn doch, dann ist diese Festlegung willkürlich. Ein Windgutachter kann demzufolge das Referenzjahr selbst festlegen, worin eine erhebliche Ungenauigkeit begründet liegt.

Standards und Richtlinien für die Windmessung Forderungen des IEC 6100-12-1 / MEASNET:

  • Anemometer Messung mit kalibrierten Instrumenten
    • Kalibrierung vor und nach der Messung
  • Anemometer müssen vom Typ „first class“ sein
  • Messung mind. 2/3 der Nabenhöhe, höher ist besser
  • 10 Minuten Aufzeichnung (Mittelwerte)
  • 2 Anemometer in gleicher Höhe, Abstand zwischen den Anemometern > 20 m
  • Temperatur und Luftdruckmessung auf dem Messmast (zur Luftdichtekorrektur)
  • Messdauer: Mind. 12 Monate
  • Anzahl der Messmasten: Messdaten müssen das Windfeld des gesamten Parks repräsentativ erfassen: Flaches Terrain repräsentativ im Umkreis von 10 km Gebirge (Hangneigung >30 %): Messung repräsentativ im Umkreis von 2 km
  • Die Messung gilt als gescheitert wenn:

    • Messung umfasst weniger als 12 Monate an mind. einem Mast
    • Datenaufzeichnungsausfall der Rohdaten > 10 %
    • Datenlücken können auf weniger als 95 % aufgefüllt werden

    Bildbeschreibung Schematische Darstellung eines Windmessmastes

Die Windgeschwindigkeiten über der Masthöhe (Rotorkreisfläche) können mit Fernerkundungs-systemen (LIDAR oder SODAR) ermittelt werden. Allerdings sind hier zahlreiche Einschränkungen zu beachten. Es handelt sich um mobile Geräte die in der Regel angemietet werden. Diese LIDAR und SODAR Verfahren sind noch nicht in der IEC 6100-12-1 Richtlinie integriert. Hauptgrund ist die Einschränkung der Anwendung auf flaches Gelände. Ferner ist bekannt das SODAR bei Fremdgeräuscheinflüssen (Fahrzeuglärm, Flugzeuglärm) problematisch ist.

Bildbeschreibung

Schematische Darstellung Messbereich LIDAR Bedeutsam ist, dass LIDAR/SODAR Messungen in Kombination mit Messmast eingesetzt werden da die Messergebnisse mit den Mastergebnissen (Anemometer) kalibriert werden müssen.

Auswirkung der Windhöffigkeit auf den Ertrag der WKA am Beispiel einer 2 MW Anlage:

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Beispiel für fehlerhafte Windprognose: Messmastabschattung der Anemeometer ist an der Häufigkeitsverteilung der Windrichtung zu erkennen. (Es fehlten die Ausleger)

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Windpark Simmersfeld: Windplanungsdaten (ca. 2005):

  • Deutscher Wetterdienst DWD: 5,3 m/sec in 50 m Höhe
  • Dies ergibt nach dem üblichen logarithmischen Geschwindigkeitsprofil:
    • 100 m Höhe: 6,06 m/sec
    • 120 m Höhe: 6,26 m/sec
    • 140 m Höhe: 6,43 m/sec
  • Einen Windatlas gab es damasl nicht. Windatlas 1995 in 10 m Höhe 2-3,5 m/sec
    • Ausdiesen 3,5 m/sec ergeben sich nach dem üblichen logarithmischenGeschwindigkeitsprofil in 100 m Höhe 6 m/sec
    • Gemessen wurde ferner mit SODAR
      • 65,7 m Höhe: 4,4 m/sec
      • 100,9 m Höhe: 5,9 m/sec
      • 113,5 m Höhe: 6,4 m/sec
      • 120 m Höhe: 6,8 m sec
  • Die Messungen erweisen sich als falsch, nach den Ertargsdaten herrschen in 100 m Höhe höchsten 5 m/sec. Simmersfeld hat nie den Referenzertrag von 60 % erbracht. Es hätte nie eine Vergütung nach EEG geben dürfen. Der bei der Genehmigungsbehörde eingereichte Gutachterertrag von 2300 Vollaststunden wurde bei weitem nicht erreicht. Er liegt im Schnitt bei 1384 Vollaststunden.

Die 14 WKA Simmersfeld stehen auf einem ehemaligen Munitionsdepot, man wollte die Infrastruktur nutzen (Zuwegung) und den Eingriff in den Forst gering halten.

Folge jedoch:

  • gegenseitige Abschattung der WKA.
  • Unterschiedliche Bauhöhe der WKA teilweise wegen Tieffluggebiet, teilw. wegen den Sichtlinien.
  • Probleme wegen Eiswurf und Blitzschlag.
  • Ertragsprognose war 52 Mio KW. Minderertrag des Parks pro Jahr ca. 30 %.

Richtlinien für die Windmessung Es gilt derzeit für die Windmessung die Richtline TR6, Revision 9. Am 22.9.2014 wurde durch den Fachausschuß Windpotential der Fördertgemeisnschaft Windenergie und andere Erneuerbare der Energien (FGW e.V) die Revision 9 der TechnischenRichtlinie 6 "Bestimmung von Windpotential und Energieträgern" verabschiedet. Seit 2004 hat die Richtlinie verschiendene Überrabeitungen erfahren, wobei die Revision 9 eine grundlegende neue Dimension hinsichtlichder Standars und Verfahren aufweist. Neu ist die Berücksichtigung der Standards für Fernerkundungssysteme wie LIDAR und SODAR. Ferner ist die Berücksichtigung von temorären Abschaltungen sowie weiterer technischer Verluste geregelt worden. (Siehe Beschreibung: "Richtlinie Windmessung TR 6 Rev.9")

Windkraft und Luftsport: Zahlen, Daten, Fakten

Die aktuellen Entwicklungen bei der Windkraft

Wie im Editorial bereits ausgeführt, ist die Windenergie ein überaus komplexes Thema, die uns als Luftsportler unmittelbar betrifft. Folgender Sachstand ist derzeit aktuell:

Luftraum-Isometrie ist veraltet Die Hindernis-Abstandsregelung für Segelfluggelände aus dem Jahre 1969, die sogenannte Isometrie, ist im Grunde völlig überholt und entspricht den heutigen Bauhöhen von Wind-kraftanlagen (ca. 220 Meter) in keiner Weise. Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) hat diesen Sachverhalt aufgriffen und begrüßt daher die Initiative des Deutschen Aero Clubs (DAeC) und des Luftsport-Landesverbandes Brandenburg, die zusammen mit der AOPA und der Interessengemeinschaft der Regionalflugäfen (IDRF) die Abstandsregelung gutachterlich überprüfen lässt. Von Seiten der Luftfahrtbehörden in Baden-Württemberg wurde auf diese Überarbeitung der Isometrie gedrängt, um im Abwägungsprozess der luftsportlichen Interessen eine neue Richtschnur zu schaffen, die den heutigen WKA-Bauhöhen entspricht.

Das umfassende luftsportliche Gutachten soll die für einen sicheren Flugbetrieb erforderlichen Flugbetriebsräume bzw. Mindestabstände von Bauwerken unter Anwendung eines Kriterienkatalogs und der Berücksichtigung der Betriebsarten und lokalen Gegebenheiten modellieren und beschreiben. Hierzu gehören neben dem „Übungsraum“ auch die Flugzeugschleppstrecke und der Luftraumbedarf für Notverfahren wie zum Beispiel Seilriss. Die durch NfL „veröffentlichte Platzrunde“ eines Segelflugplatzes sichert dem Luftsport bei Flugplätzen „ohne Bauschutzbereich nach § 17 Luftverkehrsgesetz“ im Allgemeinen einen ausreichenden Luftraum. Hierzu gehören auch Notverfahren, wie etwa „Verfahren bei Seilrissen“, wobei auch ungeübte Piloten, wie wir sie im Ausbildungsbetrieb haben, in der Lage sein müssen, jede Situation zu beherrschen.

Problematisch ist die Tatsache, dass die Flugzeugschleppstrecken nicht zur veröffentlichen Platzrunde gehören und somit nicht dem „Besitzstand“ der Platzrunde unterliegen. Die Ausweisung von Windkraftanlagen in Flugplatznähe kann jedoch die Schleppstrecken stark beinträchtigen, zumal Wohngebiete aus Lärmschutzgründen nicht überflogen werden sollen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn mehrere Windkraftanlagen in Flugplatznähe erstellt werden sollen und so ein „Sperrriegeleffekt“ entsteht, der den Flugplatz regelrecht einkesselt. Dadurch entsteht eine Abdrängung der Flugzeugschleppstrecken über Wohngebiete, die früher oder später zu Konfliktsituationen mit der Bevölkerung führen. Keine Gemeinde soll von Windkraftanlagen „umzingelt“ werden. Dieser Grundsatz, der für Kommunen gilt, sollte auch für den Luftsport und die Luftfahrt gelten.

Abstandsregelungen für Windkraftanlagen zur Platzrunde wurden in den gemeinsamen Handlungsgrundsätzen des Bundes und der Länder für die Anlage und den Betrieb von Flugplätzen für Flugzeuge im Sichtflugbetrieb vom 3. August 2012 festgelegt. Die Bemaßung erklärt sich nach Auskunft der DFS wie folgt: Der Abstand zum Gegenanflug beträgt 150 Meter, zuzüglich einer Toleranz von 250 Meter, die man dem Piloten zugesteht. Dies ergibt 400 Meter. Zu den anderen Teilen der Platzrunde sind es 600 Meter, zuzüglich einer Toleranz von ebenfalls 250 Meter - was den Wert von 850 Meter ergibt.

Nachlaufproblematik und Turbulenzsituationen Windkraftanalagen, insbesondere solche der heutigen Dimension (Nabenhöhe 140 Meter), verursachen erhebliche Turbulenzen im Nachlauf des Rotors. Grundsätzlich ist die Strömung im Nachlauf eines Windrades nicht laminar, sondern turbulent. Abhängig von der Windstärke bilden sich daher im Nachlauf eines Windrades (leeseitig) über mehrere Hundert Meter Entfernung hinweg Turbulenzen aus. Diese stellen im Flugzeugschleppbetrieb - je nach Windstärke - eine erhebliche Gefahrenquelle in Flugplatznähe dar. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden.

Diese mit den Turbulenzen verbundene Über- und Unterdruck ist als Umwelteinwirkung im Genehmigungsverfahren zu beurteilen, da für das Genehmigungsverfahren einer Windkraftanlage das Bundesimmissionsschutzgesetz greift. Sucht man in den einschlägigen Handreichungen nach diesbezüglichen rechtssicheren Ausführungen, so ist man gezwungen, hilfsweise luftfahrtfremde Betrachtungen heranziehen. So heißt es in den Unterlagen des Bundesverbandes der Windenergie: „Die Turbulenzen können auf Hochspannungsleitungen und auf andere Windkraftanlagen einwirken. Dies kann zu Material-Ermüdungen mit Folgen für die Lebensdauer der Anlagen führen. Die Betreiber der benachbarten Anlagen sind daher im Genehmigungs-verfahren zu beteiligen. Werden von Ihnen entsprechende Bedenken erhoben und beträgt der Abstand weniger als das Fünffache des Rotordurchmessers der Windkraftanlage, ist durch ein vom Bauherrn vorzulegendes standortbezogenes Gutachten nachzuweisen, dass der Abstand sicherheitstechnisch keine nachteiligen Folgen für die im Lee befindlichen Anlagen haben kann.“ (Im Falle von Hochspannungsleitungen müssen gegebenenfalls Schwingungsdämpfer eingebaut werden). Es stellt sich die Frage, warum die Turbulenzwirkung auf Hochspannungs-leitungen geregelt ist, und die Wirkung auf Luftfahrzeuge in deren Insassen bislang in keiner Regelung auftaucht.

Süddeutschland hat die höchsten Bauhöhen für Windkraftanlagen Die Investoren handeln nach der einfachen Regel: Ein Meter höhere Bauhöhe ergibt ein Prozent mehr Ertrag. Die Höhe der Anlagen hat natürlich Auswirkungen auf die Flugsicherheit in der Umgebung von Flugplätzen, die in den Planungsverfahren berücksichtigt werden müssen.

Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen Wenn auch das Thema Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen in erster Linie für Investoren und Energieunternehmen Relevanz hat, kommt ihm doch auch bei der Planung von Windenergie-anlagen in der Nähe von Flugplätzen Bedeutung zu, zumindest bei der Abwägung eventuell widerstreitender Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Windräder in der Nähe von Flugplätzen bringen gerade wegen ihrer Höhe immer Belastungen für den bestehenden Betrieb mit sich. Immerhin handelt es sich um Bauwerke, die bis dato – so zum Beispiel Türme/ Sendemasten etc. - nur in großen Abständen zu Flugplätzen überhaupt errichtet werden konnten. Einschränkungen für bestehende Flugplätze sind daher nicht akzeptabel, wenn die mangelnde Wirtschaftlichkeit den energiepolitischen Sinn einer Windkraftanlage nicht gewährleistet.

In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass gemäß Landtagsdrucksache 15/6024 vom 13.11.2014 folgendes gilt: „Sowohl für die kommunale Bauleitplanung als auch für die Regionalplanung gilt ferner als Voraussetzung für deren Rechtmäßigkeit, dass alle zu berücksichtigen Belange in die Abwägung eingestellt sowie gegeneinander und untereinander gerecht abgewogen werden. Dazu gehören unter anderem auch die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse, die Belange von Freizeit und Erholung, die Gestaltung des Orts- u. Landschaftsbildes sowie Belange des Naturschutzes und Landschaftspflege. Darüber hinaus ist bei der Erarbeitung eines Planungskonzeptes von den Planungsträgern auf eine ausreichende Windhöffigkeit zu achten. So sind Ausweisungen von Vorranggebieten oder Festlegungen von Konzentrationszonen, in denen später aufgrund von zu geringer Windgeschwindigkeiten der Betrieb von Windenregieanlagen unwirtschaftlich wäre, schon aus rechtlichen Gründen zu vermeiden. Denn eine rechtssichere Bauleitplanung hat der Windkraft substanziell Raum zu geben und hierbei unter anderem den Aspekt der Wirtschaftlichkeit Rechnung zu tragen.“ Doch wie sieht es bei der Prüfung der Windhöffigkeit in der Praxis aus? Dazu gibt es einen einfachen, aber eminent wichtigen Grundsatz: Wir müssen die Windkraftanlagen dort bauen, wo der Wind weht - nicht dort, wo die Politiker Wind machen.

Baugenehmigung ohne Windmessung Beim Baugenehmigungsantrag werden keine Windmessergebnisse gefordert, sondern gemäß LUBW Checkliste (Handreichung für den Baugenehmigungsantrag) genügt - wenn Windmessungen nicht vorliegen - der Windwert aus dem Baden-Württembergischen Windatlas.

Dies ist völlig unzureichend, denn der Windatlas Baden-Württemberg basiert auf dem WAsP Modell. Es handelt sich um „errechnete“, das heißt am Computer modellierte Windwerte, die je nach Geländeform stark abweichen können. Das WAsP System (Windatlas Application and Analysis Programm), das in Dänemark in den 80er-Jahren entwickelt wurde, ist ein sehr vereinfachtes Strömungsmodell und nach heutigen Maßstäben veraltet. Es ist für komplexes (hügeliges) Gelände, wie wir es in Süddeutschland haben nicht geeignet. Besser ist hier das CFD-Verfahren (Computational Fluid Dynamics). Es hat seinen Ursprung in der Strömungssimulation für Flugzeuge, Autos usw. Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat aus den vorgenannten Gründen im Juli 2013 einen Windatlas auf CFD-Basis veröffentlicht, der komplexes Gelände besser abbildet.

Im Grenzgebiet zur Schweiz hat sich gezeigt, dass zum Beispiel die Bergkuppe Randen, die im Baden-Württembergischen Windatlas mit 6,78 m/sec eine mittlere Windgeschwindigkeit ausweist, im Schweizer Windatlas nur 4,2 m/sec aufweist. Diese Differenz ist aber entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer WKA. Rechnet man diese Windhöffigkeiten in Ertragskraft um, so kommt man nach Schweizer Betrachtung auf einen jährlichen Verlust von 111.186 Euro. Nach der Rechenart des Windatlas Baden-Württemberg hingegen ergibt sich ein Gewinn von 211.566 Euro. Tendenziell ist also der Baden-Württembergische Windatlas zu hoch angesetzt.

Regionalverband Südlicher Oberrhein geht Sonderweg Der Regionalverband Südlicher Oberrhein hat bereits im Sommer 2010 auf Mängel des in Erarbeitung befindlichen Windatlasses hingewiesen und eine Stellungnahme des Gutachterbeirates des Bundesverbandes Windenergie (BWE) angemahnt. Da dieser Forderung nicht Rechnung getragen wurde und sich der TÜV Süd als Ersteller des Windatlasses auf wiederholt gestellte Fragen und Hinweise nicht geäußert hat, sah sich der Regionalverband Südlicher Oberrhein gezwungen, auf eigene Kosten (22.000 Euro) das Gutachterbüro EuroWind Köln zu beauftragen und einen Methodenvergleich zwischen den beiden Windpotenzialstudien vorzunehmen. Hierbei wurde eine Methodik angewandt, die den speziellen Strömungsbedingungen in der Region auf bessere Weise Rechnung trägt. Hintergrund war die Erkenntnis, dass die mit einer Rasterauflösung von ein mal ein Kilometer relativ grobkörnigen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes, die von der Mehrzahl der Regionalverbände als Datengrundlage herangezogen wurden, für die topographisch stark gegliederte Landschaft in Süddeutschland keine belastbare Grundlage für die rechtsverbindliche Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergienutzung sein können. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hat die Methodik des Regionalverbands Südlicher Oberrhein in seinem Urteil zur Teilfortschreibung bereits Ende 2006 umfassend bestätigt.

Somit sind die Ergebnisdaten des TUV Süd im Windatlas in der vorliegenden Form keine belastbare Grundlage für die Ausweisung von Vorranggebieten in Süddeutschland. Vor diesem Hintergrund hat der Regionalverband Südlicher Oberrhein festgelegt, dass nicht ab 5,3 m/sec geplant wird, sondern nur in Gebieten mit einer Windhöffigkeit von mindestens 6 m/sec. Er weicht damit vom Windkrafterlass ab. Daraus kann geschlossen werden, dass der Windkrafterlass keine verbindliche Grundlage für die Windkraftplanung in Baden-Württemberg ist. Mit dieser Vorgehensweise hat der Regionalverband Südlicher Oberrhein unnötige Planungskosten der öffentlichen Hand gespart.

Die Windhöffigkeit ist die Grundvorrausetzung für die Wirtschaftlichkeit. Die Wirtschaftlichkeits-problematik ist speziell in Baden-Württemberg wegen des geringen Winddargebots Gegenstand der öffentlichen Diskussion und wird durch die Ertragsdaten der TransnetBW belegt. Oft wird als Hauptgrund die zu optimistischen Windgutachten genannt. So kommt Werner Daldorf vom Bundesverband der Windindustrie zu dem Schluss, dass zwei Drittel aller Windkraftanlagen in Deutschland unwirtschaftlich betrieben werden. Diese Aussage beruht auf der Auswertung von über 1000 Jahresabschlüssen von 2001 bis 2011. Anhand solcher Auswertungen wurden auch vom Deutschen Windenergie Institut (DWI) Empfehlungen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen erlassen. Diese lauten:

  • mindestens 2000 Volllaststunden (VLh)
  • Mindestertrag 60 Prozent des Referenzertrages

Vergleicht man die statistischen Zahlen des Landes Baden-Württemberg mit diesen Grenzwerten, so erkennt man, dass großflächig keine Wirtschaftlichkeit gegeben ist: 2014: 1033 Volllaststunden

Es gibt nur wenige Gebiete in denen mehr als 60 Prozent des Referenzertrages erreicht wurde. Die meisten Windkraftanlagen in Baden-Württemberg wurden aufgrund zu optimistischen Wind-gutachten errichtet. Nach der Reduzierung der erhöhten Anfangsvergütung im EEG 2014 reichen diese 60 Prozent Mindestertrag nicht mehr aus, es sollten 70 Prozent sein. Dies entspricht einer Windhöffigkeit von 6,3 m/sec in 140 Meter Nabenhöhe.

Bedarfsgerechte Befeuerung Als Luftfahrthindernis müssen die Windkraftanlagen neben einem vorschriftsmäßigen Anstrich eine Tages- und Nachtbeleuchtung aufweisen. Diese sogenannte Befeuerung unterliegt einem technischen Fortschritt. „So viel Befeuerung wie nötig, so wenig wie möglich“ lautet die Devise. Hintergrund sind Anwohnerbeschwerden, der Hinweis auf den Artenschutz und anderes. Um die Akzeptanz der Windenergie sicherzustellen, bedarf es einer Minimierung der Lichtimmission. Dabei muss aber stets die Luftverkehrssicherheit gewährleistet sein. Es werden verschiedene Ansätze verfolgt:

Einsatz von Sichtweitenmessgeräten zur Reduzierung der Lichtstärke auf 30 Prozent beziehungsweise 10 Prozent bei guter Sicht.

  • Minimierung der Abstrahlung nach unten
  • Parksynchronisation der Nachtbefeuerung (wird heutzutage bei der Genehmigung verlangt)
  • Bedarfsgerechte Befeuerung (Radar), Windpark bleibt nachts unbefeuert, Befeuerung wird nur eingeschaltet wenn sich ein Fluggerät näher als vier Kilometer annähert. (z.B. Airspex)

Windkraft und Radaranlagen Windkraft und Radaranlagen vertragen sich nicht. Dies ist allgemein bekannt und gilt nicht nur für die Radaranlagen der DFS, der Luftraumüberwachung, sondern auch für die Radarstation des Deutschen Wetterdienstes, die beide ihrem gesetzlichen Auftrag nachkommen müssen.

Bedarfsgerechte Abschaltung von Windkraftanlagen? Die temporäre softwaregesteuerte Abschaltung von Windkraftanlegen in der Nähe von militärischen Flugplätzen konnte in Norddeutschland entwickelt und erprobt werden. Die geringen Flugaktivitäten der Bundeswehr-Jets erlauben es, dass die Anlagen bei Flugbetrieb gestoppt werden, sodass eine Störung des Radarbildes ausgeschlossen ist. Kaum war dieses Verfahren fertig und zugelassen, so meldete sich der Bundesverband Windenergie zu Wort: „Dies lässt hoffen, dass die Regelung bei den zivilen Radaranlagen der DFS auch bald nachfolgt.“ Von dieser bei den Militärs machbaren Lösung abzuleiten, dass dies auch auf die zivilen Radaranlagen übertragbar sei, würde indes die Tatsache verkennen, dass die Radaranlagen der DFS an den internationalen Flughäfen völlig andere Betriebszeiten haben und die Militärlösung daher nicht auf die DFS übertragbar ist.

Ihr Kontakt zum BWLV in allen Fragen zur Windkraft Der BWLV vertritt in Person von Hansjörg Jung, Präsidialrat für Natur- und Umweltschutz sowie Beauftragter für Windenergie, die Interessen der Luftsportler im Land, damit ein gedeihliches Miteinander in Sachen Windkraft möglich ist. Vereine oder Luftsportler können sich direkt an ihn wenden, wenn sie Informationen oder Hilfestellungen bei geplanten Windkraftanlagen in ihrer Nähe brauchen. Seine Kontaktdaten: E-Mail: jung@bwlv.de, Telefon: 07032/6934